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Ein dunkles Kapitel der Sportgeschichte • München 1972

"Gewalt zerbricht an sich selbst." Laotse

Es war der 5. September 1972 der die Welt inne halten ließ. Die bis dahin heitere Stimmung der Olympischen Sommerspiele fand abrupt an diesen Dienstag ein jähes Ende.  Eine Gruppe palästinensischer Terroristen, die sich ‚Schwarzer September‘ nannte, überfiel während der Olympiade in München das israelische Mannschaftsquartier und nahmen 11 Athleten als Geiseln, zwei von ihnen starben gleich zu Beginn der Geiselnahme  an ihren schweren Schussverletzungen. Die Terroristen verlangten die Freilassung und das freie Geleit von 232 Palästinensern, die in israelischen Gefängnissen ihre Haft verbüßten, sowie die Freilassung der deutschen Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof und des japanischen Terroristen Kozo Okamoto. Der israelische Botschafter in Deutschland Eliashiv Ben-Horin erklärte, dass die Regierung von Golda Meir in keinster Weise von ihrem Grundsatz abweichen werde, Gefangene freizugeben, um nicht für die Zukunft das Leben israelischer Staatsbürger im Ausland zu riskieren. Schnell wurde ein Krisenstab  gebildet aus Polizeikräften, olympischen Funktionären und Politikern, wobei Hans-Dietrich Genscher, damaliger Außenminister, persönlich anwesend war. Die Kabinette der Regierungen Deutschlands und Israels tagten an ihrem jeweiligen Regierungssitz und standen in ständigem Kontakt miteinander. Die Verhandlungen mit den Terroristen zogen sich in die Länge, auch der Krisenstab, der sich selbst als Geiseln zur Verfügung stellte, scheiterte mit diesem Angebot. Mit viel Geschick konnte mit den Terroristen ein Aufschub des Ultimatums um drei Stunden ausgehandelt werden, als dieses ablief, verhandelte der Krisenstab erneut mit dem Anführer der Terroristen, der sich ‚Issa‘ nannte, so erreichten sie einen weiteren Aufschub von fünf Stunden. Doch wurden diese fünf Stunden erfolgreich genutzt ? Nein, denn der Verfassungsschutz hatte schon Wochen vor der Olympiade erfahren das palästinensische Terroristen einen Anschlag planten,  hatten jedoch nichts dagegen unternommen. Auch als  der Krisenstab die Befreiung der Geiseln plante, wurden in keinster Weise  Spezialisten hinzugezogen, obwohl sie einsatzbereit waren. Dagegen wurden die auf diesem Gebiet noch vollkommen unerfahrenen  und schlecht ausgerüstete Streifen-und Bereitschaftspolizisten, den viel besser geschulten und ausgerüsteten Spezialeinheiten vorgezogen, leider. Eine weitere Panne: Die Terroristen hatten unterdessen aus Radio und Fernsehen vom Aufmarsch der Polizei erfahren, auch dass diese eine Befreiungsaktion geplanten. Man hatte versäumt, den Terroristen den Strom abzustellen und die Presse aus dem Olympischen Dorf entfernen zu lassen. Die Terroristen verlangten nun umgehend mit einem Flugzeug  außer Landes gebracht  zu werden. Die Bundesregierung  ging zum Schein auf diese Forderung ein und ließ die Terroristen mitsamt den Geiseln von zwei Hubschrauber zum nahe gelegen Flugplatz Fürstenfeldbruck bringen, dort plante die Polizei die Terroristen anzugreifen. Am Flugplatz hatten sich in der Zeit fünf eher schlecht ausgerüstete Scharfschützen, die zu allem Übel noch falsche Informationen bezüglich der Anzahl der Terroristen erhielten, postiert. Man versäumte es ebenfalls, Verstärkung schicken zu lassen, erst als die Schießerei in vollem Gange war, wurden die längst überfälligen Verstärkungen angefordert. Doch das greift den Ereignissen voeraus. Als die Terroristen eintrafen, stellten sie fest, dass keine Besatzung in der Maschine war, so dass diese sofort zu den Hubschraubern zurückeilten. Dort wurden sie jedoch von den postierten  Scharfschützen beschossen, als dann die Verstärkung in Form mehrerer Panzerwagen ankam wurde den Terroristen ihre ausweglose Situation bewusst. Sie erschossen die Geiseln im ersten Hubschrauber und jagten den Rest der Geiseln mit einer Handgranate in die Luft. Am Ende dieses grausamen Kapitel in der Geschichte des Sports standen 17 Tote. Darunter alle  Geiseln, ein Polizist und fünf  Terroristen. Viele Verletzte waren ebenfalls zu beklagen. Die meisten der an dem Massaker beteiligten Terroristen wurden im Laufe der Jahre zur Rechenschaft gezogen. Noch im selben Jahr wurden umfangreiche Ermittlungen eingeleitet, die zu einem erschreckenden Ergebnis  führte, einmal ganz abgesehen vom Versagen der Kräfte des Krisenstabs. Wolfgang Abramowski und Willi Pohl zwei deutsche Rechtsextreme hatten die Terroristen mit gefälschten Pässen und Autos versorgt und sollten nach dem Massaker von München im Auftrag des Geheimdienstchefs der PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) Abu Ijad Geiselnahmen im Kölner Dom und in Rathäusern großer Städte durchführen. Doch dazu kam es nicht, denn Ende Oktober wurden  Pohl und sein Komplize verhaftet. Die Polizei fand bei ihnen Maschinenpistolen, Handgranaten und anderes Kriegsgerät. Ebenfalls im Gepäck fand die Polizei einen Drohbrief des ‚Schwarzen Septembers‘ der an einen Richter, der gegen die überlebenden Terroristen ermittelte, gerichtet war. Die bei Pohl gefundenen Granaten wiesen ihn als Helfer des ‚Schwarzen September‘ aus. Denn sie stammten, wie es in einem Polizeibericht heißt, aus einer äußerst seltenen Fabrikation. Mit baugleichen Sprengkörpern hatten die PLO-Terroristen während des gescheiterten Befreiungsversuchs ihre Geiseln ermordet. Trotz der zahlreichen Beweise gegen Pohl wurde dieser nur wegen Waffenbesitzes zu 2 Jahren und 2 Monaten Haft  verurteilt,  musste  aber nur vier Tage davon absitzen,  danach tauchte er in Beirut unter. In den darauffolgenden Jahren gab es viele Anschläge linker sowie auch rechter Terroristen und die Zeit der Anschläge auf unschuldige Menschen scheint immer noch nicht vorbei.

40 Jahre nach diesem schrecklichem Blutbad. Das Olympische Komitee lehnte es ab, für die heutigen Olympischen Spiele, zu einer Minute des Gedenkens der Opfer des 5.Septembers 1972 abzuhalten. So  wollen wir hier einen Moment inne halten und der Opfern gedenken. Zu beklagen sind die israelischen Opfer des Massakers:

David Mark Berger

Ze'ev Friedman

Yossef Gutfreund

Eliezer Halfin

Josef Romano

André Spitzer

Amitzur Schapira

Kehat Shorr

Mark Slavin

Yakov Springer

 Mosche Weinberg

Bild 1: Einmarsch Mannschaft israel 1972-Quelle:spiegel.de Bild 2: Terrorist-Quelle:blogsport.de Bild 3: Befreiungsaktion Fürstfeldenbruck-Quelle:fuerstenfeldbruck.de Bild 4: Opfer von München- Quelle:uni-siegen.de

4 Kommentare zu „Ein dunkles Kapitel der Sportgeschichte • München 1972“

  • Lars:

     
    Nach dem Massaker von München 1972 schrieb Jean Paul Sartre: "Die einzige Waffe, über die die Palästinenser in diesem Krieg verfügen, ist der Terrorismus. Es ist eine schreckliche Waffe, aber die Armen und Unterdrückten haben keine andere."  Sie, liebe Rena, argumentieren rein aus ihrem Bauchgefühl. Beschäftigen Sie sich mit politischen Zusammenhängen- Ihr Bauchgefühl wird sich differenzieren.
    Die Palästinenser sind nicht nach München gefahren, um Israelis umzubringen. Die Geiselnahme sollte der Freilassung von Gefangenen dienen und auf die Lage der Palästinenser aufmerksam machen.
    Dass dabei alle Geiseln starben, ist hauptsächlich dem versagen deutscher Behörden geschuldet. 
    Vergessen wir nicht nur die Shoa- vergessen wir auch nicht die Nakba. Aus Opfern wurden Täter. Was Juden angetan wurde, taten sie selbst später den Palästinensern an. Und sie drohen, es den Iranern an zu tun.

  • Lars:

     
    Olympia: Berlin 1936, München 1972
     
    Zum 40jährigen: Palästinenser ermordeten israelische Sportler
     
    Was haben die Palästinser eigentlich gegen die Israelis? Israel ist doch ein friedlicher, demokratischer Staat. Mit seiner Gründung wurde nur das vollzogen, was die Religion fordert- Rückkehr ins Gelobte Land. Das ist doch historisch verbürgt… Oh weh!
     
    Man dividiere 72 durch zwei: `36 (1936), Olympische Spiele in Berlin. Gedanken- Experiment: Ein zionistisches Team ermordet deutsche Sportler. Wäre das nicht als Heldentat in die Geschichtsbücher eingegangen? Aber 1972 in München, da wagten es doch wirklich Palästinenser, auf ihre Unterdrückung, den Mord an Tausenden ihrer Landsleute aufmerksam zu machen.
     
    Auch, wenn Morde nicht die feinste Art des Widerstands gegen (umfangreichere) Morde sind- unsere Solidarität mit Israel sollte Grenzen haben- bei allem Bekenntnis zur unrühmlichen deutschen  Vergangenheit. Zwei mal 36 ist 72. Aus Opfern wurden Täter.

  • Ich bin ganz stolz auf meinen 15jährigen Enkel Patrice, der diesen Artikel ganz allein recherchierte und schrieb. ♥

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