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Frauen in der NS-Zeit • Instrumentalisierte Mutterschaft

… Nur im Deutschen gibt es das Wort ‚Rabenmutter’ …

Ausgehend von der nationalsozialistischen Ideologie, Frauen aus dem Berufsleben zu verbannen, wurde die Mutterschaft für Frauen zum hehren Ziel erklärt und verklärt. In München erklärte Adolf Hitler 1936 bei einer Rede: "Die Welt der Frau [sei] die Familie, ihr Mann, ihre Kinder, ihr Heim.“ So sollten die emanzipatorischen Entwicklungen der Frauen in der Weimarer Republik zurückgedrängt werden, denn die Emanzipation wurde als Erfindung des ‚jüdischen Intellekts’ bezeichnet, die die vorbestimmte Geschlechterordnung zerstöre. Entsprechend der Geisteshaltung der Nationalsozialisten schränkten nun wieder Gesetze und Verordnungen die Berufs- und Bildungschancen von Frauen und Mädchen deutlich ein. Entgegengesetzt wurde diesen Einschränkungen, der eingeführte Muttertag und die Stiftung des Mutterkreuzes 1938 um so die ‚neue’ Stellung der Frau zu manifestieren. Hitler sagte auf dem Reichsparteitag der NSDAP am 8. September 1934 in Nürnberg: „das Wort von der Frauenemanzipation ist ein nur vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort. Wir empfinden es nicht als richtig, wenn das Weib in die Welt des Mannes eindringt, sondern wir empfinden es als natürlich, wenn diese beiden Welten geschieden bleiben.“ Joseph Goebbels fasste die Programmatik der NS-Frauenpolitik wie folgt zusammen: „Den ersten, besten und ihr gemäßen Platz hat die Frau in der Familie und die wunderbarste Aufgabe, die sie erfüllen kann, ist die, ihrem Volk Kinder zu schenken.“ Scheinbar widerstandslos verzichteten die Frauen auf jegliche Form der Selbstbestimmung und ordneten sich so einem verbrecherischen Regime unter. Die Nationalsozialisten stellten ihre Frauen- und Familienpolitik stets als modern und zukunftsweisend dar. „Als erreichbares Ziel muss jedoch abgesteckt werden: Die Mutter soll ganz ihren Kindern und der Familie, die Frau sich dem Manne widmen können und das unverheiratete Mädchen soll nur auf solche Berufe angewiesen sein, die der weiblichen Wesensart entsprechen. Im Übrigen soll jede Berufstätigkeit dem Manne überlassen bleiben.“ Rudolf Frick, in Völkischer Beobachter vom 12. Juni 1934. So konnten junge ‚reinrassige’ Familien, bei denen die Frau ihren Beruf aufgab um Kinder zu bekommen, ein Ehestandsdarlehen beantragen. Das entsprach immerhin rund 75 Prozent des Jahreseinkommens eines Angestellten, und mit jedem geborenen Kind musste ein Viertel des Kredits nicht mehr zurückgezahlt werden. An den Universitäten wurde eine Quote eingeführt, so dass nur noch 10% der Studienplätze mit Frauen besetzt werden durften, aus Teilen der Justiz wurden Frauen gänzlich verbannt.  Da Rassenpolitik im Zentrum nationalsozialistischer Aktivität stand, sollte die Mutterschaft nur bei ‚deutschen’ und ‚erbgesunden’ Müttern gefördert werden. Die Qualität der Geburten im rassenideologischen Sinn hatte ganz klar Vorrang vor der Quantität. Um diese rassenpolitischen Ziele ihrer Weltanschauung zu verwirklichen, erließen die Nationalsozialisten eine Reihe von Gesetzen. Noch 1933 wurde das ‚Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses’ verabschiedet, das die Sterilisation von ‚Minderwertigen’ ermöglichte. Ab August 1939 mussten Hebammen und Ärzte Neugeborene mit genetischen Fehlern bis zum Alter von drei Jahren melden. Mehr als 5000 Kleinkinder wurden in den Folgewochen im Zeichen nationalsozialistischer Familienpolitik ermordet.  Im Rahmen der ‚Nürnberger Gesetze’ von 1935 folgten strenge Eheverbotsgesetze, die garantieren sollten, dass keine ‚volksschädlichen’ Ehen mehr geschlossen wurden. Die Gattenwahl sollte zukünftig nach übergeordneten Gesichtspunkten erfolgen. Daher wurden ‚Zehn Gebote für die Gattenwahl’ proklamiert. Von Ehepaaren wurde verlangt, ein Ehetauglichkeitszeugnis vorzulegen, das ihnen vom Gesundheitsamt ausgestellt werden sollte, um den Erbwert nachzuweisen und ‚Rassenreinheit’ zu garantieren. Die Ehe hatte somit nur einen Zweck: Für den Fortbestand und die Vermehrung der ‚Rasse’ zu sorgen. Vor allem die NS-Frauenschaft (NSF) als Partei- und Eliteorganisation organisierte die mütterliche Schulung und den Ausbau der Mütter- und Säuglingsfürsorge. Der NSF war das Deutsche Frauenwerk (DFW) untergeordnet und dem seit 1933 alle Frauenorganisationen, im Zuge der Gleichschaltung, unterlagen. Eine wichtige Hauptabteilung des DFW war ab 1934 der Reichsmütterdienst (RMD), der Schulungsstätten und Heimmütterschulen gründete und besondere Kurse anbot, um die Mütter gemäß der nationalsozialistischen Ideologie zu erziehen, aufzuklären und zu tüchtigen Müttern zu machen. Wollte beispielsweise ein SS-Mann heiraten, musste seine zukünftige Frau nachweisen, dass sie an einem Mütterschulungslehrgang teilgenommen hatte, damit die beiden die Heiratsgenehmigung vom Rassen- und Siedlungshauptamt bekamen. Haushalts- und Gesundheitsführung, Kochen, Nähen, Säuglings- und Krankenpflege waren Bestandteile eines solchen Kurses. Hatte vorher die Einheit von Mutter und Kind als etwas zutiefst Privates gegolten, so war jetzt die Fortpflanzung der deutschen Rasse die Aufgabe der Mutter. Frauen, die sich bewusst gegen die Mutterschaft entschieden, galten als entartet und krank. Die Rolle des Vaters schrumpfte auf die des Erzeugers. Wichtig war nicht mehr, ob ein Kind ehelich geboren wurde oder nicht, sondern, ob es von reiner Abstammung war. Doch hinter einer Fassade aus vermeintlich positiven Einzelbeispielen, die sich auch in anderen Bereichen wie Autobahnbau oder der Beseitigung der Arbeitslosigkeit bis zum heutigen Tag bei manchem fälschlicherweise eingeprägt haben, verbargen sich brutale Ausgrenzung, Unterdrückung, Verfolgung und tausendfacher Mord: Frauen, die sich nicht als Gebärmaschinen missbrauchen lassen wollten, wurde Verrat am deutschen Volk vorgeworfen, und Ehemänner konnten sich von ihnen problemlos scheiden lassen. Ein entsprechender Paragraph wurde 1938 im Scheidungsrecht eingefügt. Die Abtreibung ‚arischer’ Kinder wurde streng bestraft. Die von Hitler propagierte Großfamilie setzte sich trotz aller Zwänge und Anreize übrigens nicht durch: Die Geburtenrate stieg zwar bis zum Kriegsbeginn um 33 Prozent, was eher auf einen bescheidenen Wohlstand zurückzuführen war, denn die Kinderzahl pro Familie sank gleichzeitig von 2,2 auf 1,8. So liefen die Angebote und auch Auszeichnungen, wie das ‚Mutterkreuz’ ins leere. Mütter, die dem ‚Führer’ vier oder mehr Kinder ‚schenkten’ wurden mit dem goldenen Mutterkreuz belohnt, doch von einem zunächst geplanten Ehrensold für die Ordensträgerinnen nahmen die Nazis jedoch wieder Abstand, aus Kostengründen. So wurde im damaligen Gesellschaftsbild die Mutterrolle als Hüterin der Familie, als Kameradin des Ehemannes, zu Heldinnen stilisiert. So haben auch diese Frauen, die sich bewusst diese Frauenideologie propagierten und lebten, dazu beigetragen, dass sich die nationalsozialistische Ideologie bis in das Alltagsleben hinein durchsetzte und damit, gewollt oder ungewollt, am Funktionieren des Systems mitgewirkt.

Recht schnell bekam dieses Frauenbild Risse, denn durch den fortschreitenden Krieg und den damit verbundenen Mangel an Arbeitkräften, konnte das Bild der ‚reinen’ Mutterschaft nur im ideologischen aufrecht erhalten bleiben. In der der Realität, mussten auch dieser Frauen in die Arbeitsprozesse ganz oder teilweise eingegliedert werden.

Wie einige der Elemente der nationalsozialistischen Ideologie ‚überlebte’ die der ‚erfüllten Mutterschaft’, die NS-Zeit, denn noch 20 Jahre nach diesem unmenschlichen Regime, war das Hausfrauenmodell, als Lebensentwurf für Frauen, gesellschaftliche ‚Normalität’. Erst in den 70ger Jahren entstanden Diskussionen um die Lebbarkeit von Mutterschaft und Beruf für Frauen, die bis heute nicht als abgeschlossen angesehen werden kann, da Frauen Wahlmöglichkeiten, in Hinsicht auf Kinderbetreuung, nicht ausreichend nutzen können. Bis heute gibt es Bestrebungen, ohne diesen nationalsozialistisches Gedankengut zu unterstellen, stärker in den häuslichen Bereich einzubinden.

Weiterlesen zur Serie Frauen im Nationalsozialismus:

Der Nationalsozialismus und die Frauen ♀ Eine Einführung

Frauen im Nationalsozialismus • Täterinnen in Auschwitz

Frauen in der NS-Zeit • An der Seite des Mannes, die Ehefrau

Frauen im Nationalsozialismus und die Sexualität

Frauen in der NS-Zeit • Die Sekretärin • Helferin • Unterstützerin

Frauen in der NS-Zeit • Die ‚unpolitischen’ UFA-Stars

Weiterlesen zu inhaltlichen Themen:

Demütigung • Bordelle in Konzentrationslagern

Die Säuglinge von Indersdorf • Geboren um zu sterben

Bild 1: Plakat zur Mutterschaft – Quelle: schule-bw.de · Bild 2: Plakat Mutter + Kind – Quelle: planet-wissen.de · Bild 3: Briefmarke Mutterschaft – Quelle: wikipedia.org · Bild 4: Mutterkreuz in Gold – Quelle: kultur-online.net.de

2 Kommentare zu „Frauen in der NS-Zeit • Instrumentalisierte Mutterschaft“

  • Reinhard Worbs:

    …hoch interessant…der Fluch dieser bösen Ideologie, die Faschismus, Rassismus, Antisemitismus, Militarismus, Imperialismus u.a.m. zu einer todbringenden Weltanschauung zusammenbraute wird uns noch Jahrzehnte belasten und eigendlich gute Ideen verhindern, weil sie von den Nazis mißbraucht und pervertiert wurden. So auch die Vorstellung, daß ein Kind in den ersten 3 Lebensjahren optimal in der liebevollen Obhut seiner  Eltern gedeiht. Die Diskussion über Herdprämie und Wahlfreiheit übersieht leider die Grundrechte derjenigen, die noch keine Stimme haben.

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